Es gibt Buchtitel, die sofort verraten, in welches Genre sie gehören. So auch „Amora, Feenland in Gefahr“. Das Buch habe ich schon öfter in der Hand gehabt, aber nicht gelesen Eigentlich bin ich aus dem Alter ja raus – Feen! Zauberer! Fliegende Pferde! Ich bitte sie!
Dann kam aber der nächste Sonntag, um genauer zu sein: der Muttertag-Sonntag, und das Wetter war schlecht. Meine Familie hatte ebenso schlechte Laune, ich hatte keine Lust zu kochen – war ja mein Ehrentag – die Kleinen quengelten. Und da lag diese DVD, die ich mir doch gefälligst zu Gemüte führen sollte. Nun ja.
Wie Kinder so sind, lauschen sie vom ersten Moment an hingerissen. Ich trank noch in Ruhe meinen Kaffee aus und hörte eher beiläufig hin. Susi bekommt Besuch von Feenprinzessin Jasminia und wird sofort nach Amora mitgenommen.
Tja, und dann kam das mit der Musik. Passend zur Geschichte eingesampelt, ruhige Klaviermusik. Gefiel mir, mal was Neues, also hörte ich weiter zu, bis ich nicht mehr aufstehen wollte. Denn was anfangs wie die x-te Wiederholung vom Herrn der Ringe aussah, entwickelt vom ersten Moment an eine Dynamik, die mir schier den Atem nahm. Da gehen Elfen und Trolle zusammen los, um einen bösen Fluch zu bannen. Sie wollen nicht mehr in Kristallstatuen und schwarze Felsen verwandelt werden, weshalb sie Mangragora, das Nachbarland Amoras, durchqueren müssen. Und da ist noch ein bisschen mehr, das mich aufhorchen lässt. Nicht, dass Susi plötzlich über zauberische Fähigkeiten verfügt, damit hat man ja fast schon gerechnet. Aber es kommt zu folgender Szene:
Die Gruppe muss über steile, verwitterte Stufen absteigen, während über ihnen giftige Regenwolken schweben und abzuregnen drohen. Susi und Krawutz, ein Troll, laufen direkt hintereinander, als Krawutz stolpert und von Susi aufgefangen wird. Und in dem Moment blickt sie nicht in die Augen eines Trolles, sondern in die Seele eines Wesens, das so lebendig ist wie sie selbst, das Wünsche und Gefühle hat, das etwas riskiert und ihr im puren lebendigen Sein gleicht. Es gibt in diesem Moment keinen Unterschied mehr zwischen Feen, Trollen und Menschen, sondern sie sind EINS.
Das Wort „eindrucksvoll“ ist zu schwach, um diese Szene zu beschreiben.
Man blickt mit Susi in Krawutzens Augen, Musik setzt ein, Susi spürt in sich den ersten Zauberspruch aufsteigen und besiegt damit die tödlichen Wolken. Es ist ein bisschen so, als habe der Zuhörer gerade selbst einen Zauber gewirkt, denn mir rauscht eine Gänsehaut über den Rücken.
Spätestens jetzt will ich um keinen Preis mehr aufstehen, sondern noch mehr davon hören.
Und tatsächlich kommen noch viele solcher Momente. Die Durchquerung verschiedener Landstriche, Wüsten, Seen, Moorlandschaften, und die erste zarte Liebe zwischen Susi und Menhir, dem Waldmenschen, lassen mich seufzen. Welche Strapazen. Aber auch: Welche Gefühle offenbaren sich da! Ganz ohne kitschig zu werden, sondern echt, bodenständig, einfühlsam. So, wie man sich die erste Liebe vorstellt …
Ich verrate Ihnen nicht, wie die Geschichte endet, zumal das Ende ziemlich überraschend ist. Eines kann ich Ihnen aber jetzt schon sagen:
Es bleibt etwas zurück, das man nur aus Kinofilmen kennt. Die DVD endet, man sitzt etwas benommen da, hört noch die letzten Akkorde der Musik, spürt, wie Susi ganz allmählich verschwindet und die Sehnsucht nach Amora zurücklässt. Ganz so, wie man es von einer guten Fantasy-Geschichte erwartet.
Inhaltlich ist die Geschichte für Kinder ab 8 geeignet, aber auch Erwachsene sollten sich Zeit dafür nehmen. Viele schöne Erinnerungen sind beim Hören wach geworden. Allen, die sich ein bisschen in ihre Jugend zurücksehnen möchten, empfehle ich noch das Buch zur Hör-DVD mit vielen Bildern.
Einfach mal Zeit nehmen!
B. Unghulescu